ECLASS, ETIM und BMEcat: Produktdaten richtig klassifizieren und austauschen

ECLASS und ETIM beschreiben, was ein Produkt ist, BMEcat transportiert die Daten. Was die Standards unterscheidet, welcher wohin passt und wie KI bei der Klassifizierung hilft.

Wer Produkte an Großhändler, Einkaufsplattformen oder große Industriekunden liefert, bekommt früher oder später dieselbe Anforderung: Produktdaten bitte nach ECLASS oder ETIM, geliefert als BMEcat. Die drei Begriffe fallen oft in einem Satz, lösen aber unterschiedliche Aufgaben.

Klassifizierung und Austauschformat: zwei Aufgaben

ECLASS und ETIM sind Klassifikationssysteme. Sie legen fest, zu welcher Klasse ein Produkt gehört und mit welchen Merkmalen es beschrieben wird, etwa Nennspannung, Schutzart oder Werkstoff, jeweils mit festen Einheiten und Wertelisten. BMEcat ist ein Austauschformat. Es regelt, wie eine Katalogdatei aufgebaut ist, in der diese Daten zusammen mit Preisen, Bildern und Artikeltexten übertragen werden.

ECLASSETIMBMEcat
ArtKlassifikationssystemKlassifikationssystemAustauschformat (XML)
HerausgeberECLASS e.V., KölnETIM International mit nationalen OrganisationenBME e.V.
VerbreitungIndustrie, Einkauf, öffentliche Beschaffung, viele BranchenElektro, Sanitär, Heizung und Klima, Werkzeuge, Eisenwaren, BaustoffeKatalogaustausch zwischen Lieferant, Händler und Einkauf
AufbauVier Ebenen bis zur Untergruppe, dort hängt die MerkmallisteProduktgruppen und Produktklassen mit MerkmalenKatalogdatei mit Artikeln, Preisen, Medien und Klassifizierung
Aktueller StandRelease 16.0 (November 2025)ETIM 10.0 (Dezember 2024)Version 2005.2

ECLASS: der breite Standard für Industrie und Einkauf

ECLASS wurde im Jahr 2000 von großen deutschen Unternehmen gegründet und wird vom ECLASS e.V. in Köln gepflegt. Release 16.0 umfasst rund 50.000 Klassen und 23.000 Merkmale. Die Klassen sind in vier Ebenen gegliedert: Sachgebiet, Hauptgruppe, Gruppe und Untergruppe. An der untersten Ebene hängt die Liste der Merkmale, mit denen ein Produkt beschrieben wird. ECLASS deckt sehr viele Branchen ab, von der Elektrotechnik über Laborbedarf bis zu Dienstleistungen, und wird von Industrieunternehmen ebenso genutzt wie in der öffentlichen Beschaffung.

Neue Releases erscheinen etwa jährlich. Release 16.0 erweitert unter anderem die Angaben zu Materialdeklarationen und zum CO₂-Fußabdruck von Produkten.

ETIM: der Standard im Elektro- und SHK-Großhandel

ETIM stammt aus dem Elektrogroßhandel und ist heute vor allem in der Elektro- und SHK-Branche der übliche Standard. Getragen wird er von ETIM International und 21 nationalen Organisationen. ETIM 10.0 hat 5.640 Klassen. ETIM ist damit schmaler als ECLASS, in seinen Branchen aber sehr verbreitet: Viele Großhändler erwarten von ihren Lieferanten ETIM-Daten und übernehmen sie direkt in Shop und Warenwirtschaft.

Offizielle Releases erscheinen etwa alle drei Jahre. Seit ETIM 10.0 können einzelne Klassen zusätzlich zwischen den Releases aktualisiert werden. Mit ETIM xChange gibt es außerdem ein eigenes, JSON-basiertes Austauschformat.

BMEcat: das Transportformat

BMEcat ist ein XML-Format für den Austausch von Katalogdaten, gepflegt vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME). Die erste Version entstand 1999 mit dem Fraunhofer IAO und Universitäten in Essen und Linz, aktuell ist die Version 2005.2. Eine BMEcat-Datei enthält Artikel, Preise, Bilder und Texte und kann eine Klassifizierung mitführen, zum Beispiel nach ETIM oder ECLASS. Sie unterscheidet zwischen einem vollständigen neuen Katalog und Aktualisierungen von Artikeln oder Preisen.

Im Handwerk ist daneben Datanorm verbreitet, ein älteres Format für Artikel- und Preisdaten zwischen Großhandel und Handwerksbetrieben.

Welcher Standard für wen?

  • Sie liefern an den Elektro- oder SHK-Großhandel: ETIM ist meist Voraussetzung und der schnellste Weg in die Systeme Ihrer Händler.
  • Sie liefern an Industriekunden und deren Einkauf: Häufig wird ECLASS verlangt, oft in einem bestimmten Release, das der Kunde vorgibt.
  • Sie liefern an beide: Dann brauchen Sie beide Klassifizierungen. Die Merkmale überschneiden sich teilweise, eine Übertragung von einem System ins andere gelingt aber selten ohne Nacharbeit.
  • Sie betreiben einen B2B-Shop: Eine saubere Klassifizierung ist die Grundlage für Filter und Suche, auch wenn kein Kunde sie ausdrücklich verlangt.

Wo die Arbeit wirklich steckt

Die Standards selbst sind gut dokumentiert. Aufwendig ist es, die eigenen Produkte hineinzubringen. Die Informationen stehen meist verstreut in Datenblättern, PDF-Katalogen, ERP-Feldern und Artikeltexten, oft mit uneinheitlichen Einheiten und Schreibweisen. Bei einigen Hundert Artikeln ist das Handarbeit, bei Zehntausenden ist es so nicht mehr zu schaffen. Typische Hürden:

  • Merkmale stehen nur im Fließtext oder in einer Tabelle im PDF
  • Einheiten passen nicht zusammen, etwa Millimeter im Datenblatt und Zentimeter im ERP
  • Ein Artikel passt in mehrere Klassen, und jede Person entscheidet anders
  • Ein neues Release ändert Klassen und Merkmale, und schon gepflegte Daten müssen nachgezogen werden

Wie KI bei der Klassifizierung hilft

Sprachmodelle sind gut darin, Merkmale aus unstrukturierten Quellen zu lesen und einer vorgegebenen Klasse zuzuordnen. Entscheidend ist der Rahmen: Die KI arbeitet gegen die offizielle Merkmalliste der Klasse, nennt zu jedem Wert die Quelle und markiert, was sie nicht sicher belegen kann. Ein erfundener Wert ist bei Produktdaten schlimmer als ein fehlender. Auch der Standard selbst nutzt inzwischen KI: Für Release 16.0 hat ECLASS rund 23.300 Klassendefinitionen mit einem Sprachmodell erzeugen lassen und als maschinell erstellt gekennzeichnet.

  • 1. Quellen sammeln: Datenblätter, PDF-Kataloge, ERP-Export und vorhandene Artikeltexte je Produktlinie
  • 2. Klasse vorschlagen: Die KI ordnet jedem Artikel eine ETIM- oder ECLASS-Klasse zu und begründet die Wahl
  • 3. Merkmale füllen: Werte werden aus den Quellen gelesen, in die richtige Einheit umgerechnet und mit Fundstelle gespeichert
  • 4. Prüfen: Ihr Produktmanagement prüft Stichproben oder alle Werte, je nach Warengruppe
  • 5. Ausliefern: Export als BMEcat oder in dem Format, das Händler und Plattformen verlangen

Sinnvoll ist, mit einer Produktlinie zu beginnen und die Qualität zu messen, bevor das ganze Sortiment folgt. Wie wir dabei vorgehen, steht auf der Seite Produktdaten für KI. Warum strukturierte Produktdaten auch für KI-Einkaufsagenten wichtig werden, erklärt der Beitrag Produktdaten für KI-Einkaufsagenten. Für Händler gibt es eine eigene Seite zum technischen Großhandel.

Häufige Fragen

Kurz beantwortet

Was ist der Unterschied zwischen ECLASS und ETIM?

Beides sind Klassifikationssysteme für Produkte. ECLASS ist breiter aufgestellt und in Industrie und Einkauf verbreitet, ETIM ist schmaler und im Elektro- und SHK-Großhandel der übliche Standard. Viele Hersteller brauchen beide.

Was ist BMEcat?

BMEcat ist ein XML-Format für den Austausch von Katalogdaten zwischen Lieferanten, Händlern und Einkäufern. Es transportiert Artikel, Preise, Bilder und Texte und kann eine Klassifizierung nach ETIM oder ECLASS mitführen. Aktuell ist die Version 2005.2.

Welche ECLASS-Version ist aktuell?

Aktuell ist ECLASS 16.0 vom November 2025. Kunden geben aber oft ein bestimmtes Release vor, mit dem sie arbeiten. Das sollte vor dem Start geklärt sein.

Welche ETIM-Version ist aktuell?

Aktuell ist ETIM 10.0 vom Dezember 2024. Offizielle Releases erscheinen etwa alle drei Jahre, seit Version 10.0 werden einzelne Klassen zusätzlich zwischendurch aktualisiert.

Kann KI Produkte automatisch nach ETIM oder ECLASS klassifizieren?

KI kann Klassen vorschlagen und Merkmale aus Datenblättern und Katalogen auslesen. Zu jedem Wert sollte die Quelle gespeichert werden, und ein Mensch prüft die Ergebnisse, bevor sie an Händler oder Plattformen gehen.

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